Wie kann berufliche Bildung gestärkt werden, und was brauchen Betriebe angesichts des Fachkräftemangels und technologischer Veränderungen? Über diese Fragen sprach Bundesbildungsministerin Karin Prien am 4. September bei ihrem Besuch am Campus Handwerk in Lingen.
Austausch mit Politik und Handwerk
Matthias Ricken, Geschäftsführer des Campus Handwerk, begrüßte die Ministerin gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, der regionalen Kreishandwerkerschaften und der Politik. Nach einer Vorstellung des Campus tauschten sich die Beteiligten über die aktuelle Situation der beruflichen Bildung und die Herausforderungen des Handwerks aus.
Berufliche und akademische Bildung gleichwertig
Ein Schwerpunkt lag auf der Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildungswege. „Das Thema Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung hat mich die ganze Zeit begleitet“, sagte Prien. Dabei gehe es nicht nur um Anerkennung, sondern auch um die Ausstattung und Rahmenbedingungen beruflicher Bildungseinrichtungen. Hier bestehe im Vergleich zum akademischen Bereich weiterhin Nachholbedarf.
Gleichzeitig verwies die Ministerin auf die positive Entwicklung der Ausbildungszahlen im Handwerk: „Wir haben fast fünf Prozent Zuwachs im Handwerksbereich in diesem Jahr.“ Für die Fachkräftesicherung sei es entscheidend, junge Menschen frühzeitig zu erreichen und auch Eltern von den Chancen beruflicher Bildung zu überzeugen. Andreas Nünemann, Präsident der Handwerkskammer, betonte: „Wir müssen die Eltern überzeugen, dass Handwerk nicht etwas Schlechtes, sondern etwas Gutes ist.“
Technologischer Wandel als Chance
Mit Blick auf neue Technologien zeigte sich Prien zuversichtlich: „Ich glaube, dass das Handwerk goldene Zeiten vor sich hat, wenn man es richtig anpackt.“ Neben Ausbildung und beruflicher Qualifizierung gewinne die Fort- und Weiterbildung an Bedeutung. Dafür benötigten Betriebe und Bildungseinrichtungen verlässliche Finanzierung, Planungssicherheit und ausreichende Handlungsspielräume.
Einblicke in die Ausbildung
Bei einem Rundgang durch den Campus sprach Prien mit zwei Auszubildenden in der Metallwerkstatt. Zudem besichtigte sie den Neubau des Schulungsgebäudes für Maurer und Zimmerer am Schwarzen Weg. Campus-Geschäftsführer Matthias Ricken erklärte: „Wir wollen für die Menschen, die hier agieren, gute Randbedingungen schaffen. Hier sollen alle ein Campus-Erlebnis haben.“
Prien bilanzierte: „Sehen Sie mich, was die berufliche Bildung angeht, durchaus optimistisch, wenn ich auch nicht verkenne, dass wir große Herausforderungen haben.“