Politisches Erdbeben bei Bürgermeisterwahl in Haren - Hoffmann gewinnt haushoch

Geschrieben am 13.09.2026
von Hermann Garrelmann

Michaela Hoffman schaut ungläubig auf ihr Mobiltelefon. Was sie dort sieht, hat sie "nicht zu träumen gewagt". Rechts im Hintergrund zwei ihrer Unterstützer.

(hg) In Haren gingen mit Michaela Hoffmann und Holger Cosse zwei Bewerber um das Bürgermeisteramt ins Rennen. Hoffmann, parteilos und unabhängig, unterstützt von der sozialökonomischen Gruppe und Cosse als Kandidat der CDU.

Was im Vorfeld der Wahl kaum jemand für möglich gehalten hatte, ist eingetreten: Michaela Hoffmann gewinnt das Rennen deutlich vor Cosse. Nach der Hälfte der ausgewählten Wahllokale, gegen 20:25 Uhr am Wahltag, lag Hoffmann bereits mit 72,13 % der Stimmen vorn. Cosse lag bei 27,87 %.

 



Ungläubige Gesichter in den Reihen der CDU: Mit einem solchen Wahlausgang für ihren Kandidaten Holger Cosse hatte hier niemand gerechnet. 

Auch wenn noch die Hälfte der Wahllokale in der Berechnung fehlten, durfte klar sein, dass die parteilose Kandidatin das Rennen für sich entschieden hat. Sie wird neue Bürgermeisterin in Haren sein.

Schon etwa eineinhalb Stunden nach Schließung der Wahllokale schien die Tendenz sichtbar. Die Cosse-Anhänger der CDU im Hotel Greive schauten sich bei eintreffenden Meldungen auf dem Monitor ungläubig an. Erstauntes Schweigen rundum. Aus einer Ecke kommt ein Wort mit S... und einem „e“ am Ende. „Das ist eine Klatsche“ lässt sich Amtsinhaber Markus Honnigfort entlocken. Sein Bruder Thomas, CDU-Stadtverbandsvorsitzender, atmet tief durch. „Ein Trauerspiel, für uns schwer zu fassen“, zeigt er sich deutlich enttäuscht, ja traurig. Zu den Ursachen des unerwarteten Ergebnisses hat er noch keine Idee. „Das ist eine Persönlichkeitswahl, da spielen viele Punkte eine Rolle, bis hin zu: Sympathie oder nicht“.

Wie es denn jetzt mit einer Bürgermeisterin Michaela Hoffmann weiter gehen wird im Stadtrat? Honnigfort: „Wir hoffen natürlich, dass wir im Rat die Mehrheit behalten werden. Dann werden wir die Arbeit der letzten Jahre weiterführen“. Nachfrage an den Stadtverbandsvorsitzenden: „Mit einer starken Bürgermeisterin?“ „Mit einer starken CDU-Fraktion, ergänzt der CDU-Mann, erkennbar niedergeschlagen vom Wählervotum. Den Kandidaten Holger Cosse konnten wir zu dieser Zeit leider nicht befragen, der weilte im Kreishaus in Meppen.

Durch die offenen Fenster des Bistros „1961“ dringt Applaus auf den Gehweg. Der Blick in das Lokal gibt die Erklärung: Hier treffen sich die Unterstützer von Michaela Hoffmann. Sie sitzt an einem Bistro-Tisch, neben ihrem Mann. Hinter sich der Monitor, auf dem die Ergebnisse einlaufen. Der Applaus galt ihr, der unabhängigen Kandidatin, die immer mal wieder ungläubig auf ihr Handy schaut.


„Ein solches Ergebnis habe ich nicht zu träumen gewagt und bis vor gut eineinhalb Stunden auch nicht für möglich gehalten“, sagt die 54-jährige zukünftige Bürgermeisterin der Schifferstadt.

Gründe für dieses tolle Ergebnis könne sie so kurzfristig nicht analysieren. „Ich kann das alles noch gar nicht glauben“, zeigt sie sich mehr als überrascht. „Wenn ich morgen früh aufwache, wird mir das sicher viel klarer sein“, so Hoffmann..

Vielleicht habe es an ihrer Themenansprache gelegen, vielleicht auch, dass viele sagen, es ist gut wenn das mal eine Frau macht. Zudem habe sie darauf geachtet, nichts zu versprechen, was sie nicht halten könne. Letztlich weiß auch sie, dass das eine Personen- und Persönlichkeitswahl war, bei der viele Faktoren zusammenkämen. In der Gemengelage der Gründe sei Parteiverdrossenheit vielleicht auch ein Punkt.

Es sei ein schönes Gefühl, einen so starken Rückhalt in der Bevölkerung zu spüren. Aktuell empfinde sie eine Mischung aus Bürde, Respekt und Freude. Sie hoffe, die Erwartungshaltung der Menschen erfüllen zu können. Und offensichtlich, so Hoffmann, wollten die Harener einen Wechsel auf dem Bürgermeistersessel.

Um 20:45 Uhr zeigt der Monitor 28 von 28 ausgezählten Wahllokalen. Für Hoffmann werden 72,14 % ausgewiesen, für Cosse 27,86 %. Eine klare Aussage der Wählerinnen und Wähler.

 

„Die Wählerinnen und Wähler wollten einen Wechsel, eine Veränderung“, erklärt Holger Cosse in einem späteren Telefonat den Wahlausgang. Nun gebe es keine parteiliche Kontinuität auf dem Bürgermeistersessel. „Aber das ist Demokratie“, so Cosse, der erwähnt, dass er kurz zuvor seiner Mitbewerberin zum Wahlsieg gratuliert habe. Das Angebot von Michaela Hoffmann habe die Wähler wohl überzeugt. „Das es für mich nicht einfach sein wird, dass war zwischenzeitlich zu erkennen. Dass ich mir ein anderes Ergebnis gewünscht habe, ist auch klar“, so der bisherige CDU-Fraktionsvorsitzende.

Aber mit Blick auf Twist und Lingen gebe es ähnliche Entwicklungen, wo scheinbar sogar der Amtsinhaber nicht wiedergewählt wurde. Parteipolitische Gründe kann Cosse jedenfalls nicht vorrangig sehen. Vielleicht sei auch die Frage, lieber eine Frau oder jemanden aus dem Umland als Bürgermeister haben zu wollen, eine Wahlentscheidung gewesen. „Ich hätte meine politische Tätigkeit gern im Hauptamt gemacht, aber das hat der Wähler nicht gewollt“, versucht es Cosse nüchtern zu sehen. „Für mich ist klar, dass ich meine politische Zukunft nicht im Hauptamt haben werde, vorläufig jedenfalls“, bleibt er ein bisschen vage.

Ob er als Fraktionsvorsitzender weiter machen werde, lässt Cosse ebenfalls offen. „Vielleicht ist es auch da angesagt, dass ein personeller Wechsel sinnvoll ist. Aber da will ich mich heute Abend nicht festlegen“.



Hier schien sich eine Sensation anzubahnen.


Fröhliche Gesichter wohin man schaut: Michaela Hoffmann in den Reihen ihrer Familie und ihrer Unterstützer.  


Die neue Bürgermeisterin in Haren: Michaela Hoffmann


„Ich hätte meine politische Tätigkeit gern im Hauptamt gemacht, aber das hat der Wähler nicht gewollt“, versucht es Holger Cosse (hier bei der Podiumsdiskussion des Emsblick und dem Gymnasium Haren im forum des Schulzentrums) nüchtern zu sehen. „Für mich ist jetzt klar, dass ich meine politische Zukunft nicht im Hauptamt haben werde, vorläufig jedenfalls“, bleibt er ein bisschen vage.