Historische Inszenierung des Holzgerichts
Das Holzgericht unter der Höltingeiche, bekannt als Holt-Thing, in Meppen hat erneut am Pfingstmontag getagt.
Es ist ein vom Hölting-Bürger-Schützenverein von 1410 inszenierter, historischer Prozess, das heißt es handelt sich nicht um eine wirklich ernste Angelegenheit. Die Rolle des Gerichtsschreibers spielte Wilhelm Lücken, Thomas Kemper war Oldermann. In dieser Gerichtsbarkeit wurde und wird über Frevel und Übertretung jeder Art von Recht in und an Wild, Wald und Feld geurteilt.
In diesem Jahr musste sich Bernd-Carsten Hiebing aus Haren verantworten. Der Politiker der CDU war vom März 2003 bis November 2022 Mitglied des Niedersächsischen Landtags. Er war im Ausschuss für Inneres und Sport sowie im Unterausschuss Häfen und Schifffahrt.
In der Anklage, die der Gerichtsschreiber vorlas, ging es um Deiche, den Bau der Lambertsbrücken im Züge der Landesstraße 47 und den Ausbau der B 402. Zur Verteidigung brachte Bernd-Carsten Hiebing eine Reihe von Argumenten vor, die das Gericht letztlich überzeugten.
Mit der lateinischen Formel „Nulla poena sine culpa“ drückte das Holzgericht eine der wesentlichen Rechtsregeln im Strafrecht aus: Niemand darf für eine Tat bestraft werden, wenn ihn keine Schuld trifft: „Keine Strafe ohne Schuld.“
Nach einer kurzen Beratung wurde in Anwesenheit der Stadtwache gleichwohl ein Urteil verkündet: Bernd-Carsten Hiebing müsse eine (stattliche) Eiche pflanzen. Mit einem klaren: „Der Wald ist unser Hüter“, beendete traditionell der Oldermann das Holzgericht.
Die Sitzung des früheren Markengerichts in Meppen hat eine lange Tradition. Die Stadt übte das Holt-Thing erstmals 1410 am Dienstag nach Dreifaltigkeit unter Beteiligung der wehrhaften Meppener Bürger aus. Die Gerichtsstätte auf dem Haupthof in Teglingen hieß Maalstatt.
Die Holzgerichtsbarkeit verschwand im 19. Jahrhundert, als die Marken aufgelöst wurden. Zurück blieb das Fest, das mit dem Gerichtstag verbunden war. Dieses Fest lebt heute im Schützenfest des Hölting-Bürgerschützenvereins weiter. Das Holzgericht wird alle zwei Jahre am Pfingstmontage in Meppen an der Höltingmühle inszeniert.



