Harener Mersmühle: Zum Geburtstag fein herausgeputzt

Geschrieben am 26.04.2024
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Regen, der Zahn der Zeit und einige bautechnische Besonderheiten haben der Mersmühle in Haren in den letzten Jahren sichtbar zugesetzt. Die Erdanschüttung ließ ein vollständiges durchtrocknen des Mauerwerks im Erdgeschoss nicht zu. Die Schindelabdeckung des oberen Mühlenkörpers wies auf die Endlichkeit des natürlichen Baustoffes Holz hin. Kurzum: eine grundlegende Sanierung der Mersmühle war unausweichlich. Hinzu kamen Schäden, die nach einem Sturm in 2022, der heftig an der Mühle rüttelte, entstanden waren.



Im Zuge der ersten Instandsetzungen nach dem Sturm vor zwei Jahren wurde Mühlenbauer Gert Möller beauftragt, die entstandenen Schäden zu reparieren. Der Tischlermeister aus Melle, einer von wenigen Mühlenexperten in Deutschland, ist auf die Restauration historischer Wind- und Wassermühlen spezialisiert. Der Fachmann mit mehr als 30 Jahren Erfahrung: „Bei den an der Mersmühle bereits gemachten und noch geplanten Maßnahmen handelt es sich um Tätigkeiten, die auch im historischen Kontext im Laufe der Jahrhunderte im Sinne einer laufenden Unterhaltung immer mal wieder nötig waren, um die Funktion einer Mühle zu gewährleisten.“ Schon im Sommer 2022 wurde also der Steert sowie das Krönrad renoviert. Weiterhin wurden die Poller zum Arretieren der Mühle erneuert.

Da aber die Mühle im kommenden Jahr ihren 200. Geburtstag feiert, lag der Beschluss nicht fern, das Baudenkmal zu diesem Anlass nicht nur sporadisch zu reparieren sondern sie insgesamt zukunftsfähig zu machen. Also hat Mühlenbauer Möller auch in diesem Jahr wieder alle Hände voll zu tun in Haren.

In den vergangenen Wochen wurde schon eifrig gearbeitet. Im Inneren der Mühle wurden bereits zwei Holzbalken ausgetauscht. Mit 40 auf 40 cm Querschnitt war der Eichenbalken nicht einfach zu handhaben. Ein weiterer Holzbalken wurde aus statischen Gründen mit einem Unterleger versehen, so dass die Balken und vor allem Balkenköpfe nun wieder in einem einwandfreien Zustand sind.

Weiterhin mussten aufgrund eines fehlenden Tafelments diverse Teilbereiche zwischen den Balkenköpfen und Stützen ausbetoniert und mit den Stützen verankert werden. Diese statisch notwendigen Arbeiten sind mittlerweile abgeschlossen, sodass der Mühlenbauer in Kürze mit der Neuverschindelung der Mühle beginnen wird. Die Schindeln haben Jahrzehnte Wind und Wetter getrotzt und sind abgängig. Die neuen Schindeln werden wohl aus Eiche bestehen und nicht gesägt sondern gespalten sein.



Manuel Deeters, der zuständige städtische Mitarbeiter für das Projekt Mersmühle, ist dankbar, dass es so gut vorangeht: „Im Innenbereich konnten die vorhandenen Beläge (Fliesen auf Estrich) entfernt und die Räumlichkeiten entkernt werden. Die Nebenräume wurden für die künftige Nutzung als öffentliches barrierefreies WC baulich vorgerüstet.“ Nun werden die Wandbereiche gegen Erdfeuchte abgedichtet, verputzt bzw. gespachtelt. Danach kann auch die Verlegung einer denkmalgerechten Pflasterung erfolgen.

Im Außenbereich der Mersmühle ist im Laufe des Frühjahrs einiges passiert. Umlaufend um den Mühlenkranz wurde eine denkmalgerechte Pflasterung verlegt, die noch einen wasserundurchlässigen Fugmörtel erhält. Anfallendes Regenwasser läuft beim eingebauten Gefälle der Pflasterung Richtung Erdwallböschung ab. Eine Schädigung des Mühlensockel durch Feuchtigkeit wird so minimiert.

Zum Sommer oder Herbst dieses Jahres stehen weiteren Innenarbeiten Die Wiederherstellungen der Pflasterung und Bepflanzungen der Außenanlagen erfolgt danach. Bürgermeister Honnigfort ist sich aber schon jetzt sicher: „Die Mersmühle, eine typische Durchfahrtmühle, wird nach der Sanierung ein richtiges Schmuckstück für Haren sein.“

So soll die Mersmühle rechtzeitig zum Jubiläum runderneuert sein. Eine vollständige Funktionsfähigkeit wird nicht angestrebt. Nur soviel: Zu bestimmten Anlässen sollen sich die Flügel wieder drehen, durch die Kraft des Windes, wie eigentlich selbstverständlich für eine Windmühle. Vier Mitarbeiter des Werkhofes wurden in die Handhabung der Mühle eingewiesen. Sie können die Flügel dann in den Wind drehen und auch wieder sturmsicher fest verspannen.

Auch wenn sich der Bund nicht an der Finanzierung der Kosten beteiligt: die etwa 630.000 €, von denen der Landkreis maximal 20 % übernimmt, sind gut investiert. Wer zukünftig die Mersmühle besichtigt, vielleicht über einen neu zu bauenden Aufstieg zwei Etagen nach oben kommt, kann erkennen, mit welchen Mühen seinerzeit Müller und Bauern ihr Brot verdienten.