Hartes Leben für Heuerleute - Seniorenvereinigung im Museumsdorf

Geschrieben am 05.06.2024
von hg


Annähernd 60 Seniorinnen und Senioren aus Meppen besuchten kürzlich das Museumsdorf Cloppenburg, das zwar nicht das größte, aber das älteste Museum dieser Art in Deutschland ist. Eingeladen zu dieser Fahrt hatte die Seniorenvereinigung der Stadt Meppen.

Das Museumsdorf Cloppenburg umfasst inzwischen eine Fläche von ca. 20 Hektar mit 60 Gebäuden, darunter große Hofanlagen, aber auch Wohn- und Arbeitsstätten von Heuerleuten und Handwerkern. Zu besichtigen sind auch drei Mühlen, ein Herrenhaus, eine Kirche und eine Schule, die einen besonderen Einblick in die Alltags- und Kulturgeschichte des gesamten Nordwestens bieten.



Den Meppener Senioreninnen und Senioren wurde bei den Führungen in plattdeutscher und hochdeutscher Sprache kompetent und gut nachvollziehbar ein Eindruck in das harte Leben vergangener Jahrhunderte vermittelt. Es wurde darauf hingewiesen, dass die meisten großen Bauern seit dem frühen Mittelalter nicht Eigentümer waren, sondern den Hof als Lehen (zur Miete) bekamen; Eigentümer waren Grundherren (größtenteils Adelige). Die Bauern standen in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zum Grundherren und waren u. a. verpflichtet, neben bestimmten Abgaben vor allem den sogenannten „Jahreszehnt“ zu bezahlen. Der größte Teil der ländlichen Bevölkerung jedoch waren Heuerleute, die Haus und Land von den großen Bauernhöfen pachteten. Eine Besonderheit im Oldenburger Münsterland lag in der Bezahlung der Pacht mit Bargeld. Zusätzlich musste die Heuerfamilie im Jahr 12 bis 16 Wochen für den Bauern arbeiten. Der eigene Betrieb konnte dann nur in den frühen Morgenstunden oder nachts bewirtschaftet werden. Kinder ab zehn Jahren wurden als vollwertige Arbeitskräfte eingesetzt und konnten daher häufig nur in den Wintermonaten zur Schule gehen. Verheiratete Frauen wurden im Schnitt nur etwa 35 Jahre alt. Viele erkrankten nach der Geburt des dritten oder vierten Kindes an Kindbettfieber und verstarben, nicht zuletzt wegen der äußerst schlechten hygienischen Verhältnisse.

In den Häusern gab es überwiegend keine Trennung zwischen Dielentrakt mit dem Vieh und dem Küchentrakt, in dem sich die Familie nach getaner Arbeit am offenen Herdfeuer versammelte. Deutlich wurde die starke Abhängigkeit der Menschen von den Tieren, die das Überleben des Hofes sicherten.



Gekocht wurde einmal in der Woche im großen Kessel; an den nächsten Tagen wurde das Essen, meist Eintopf mit Hafergrütze, aufgewärmt. Bei allen Schwierigkeiten habe es aber früher gelegentlich auch gute Zeiten und Frohsinn gegeben. Wenn im Dorf z. B. ein neues Ständerwerk für ein Fachwerkhaus aufgestellt wurde, habe dies bei Beteiligung vieler Dorfbewohner etwa vier Tage gedauert. Anschließend sei dann aber auch etwa vier Tage intensiv gefeiert worden. Gefreut habe man sich auch auf Hausschlachtungen, weil es danach ausnahmsweise reichlich Fleisch zu essen gab, was sonst nur an hohen Feiertagen der Fall war.

Nachdem sich die Teilnehmer im Dorfkrug in geselliger Runde bei Kaffee und Kuchen über ihre Eindrücke ausgetauscht hatten, durfte zum Abschluss des Besuches eine Besichtigung der urigen Diskothek „Zum Sonnenstein“ im Museumsdorf Cloppenburg natürlich nicht fehlen. Diese ist erst von einigen Jahren in Harpstedt bei Bremen abgebaut und im Museumsdorf originalgetreu wieder aufgebaut worden. Bei manchen Meppener Seniorinnen und Senioren wurden Erinnerungen an frühere Zeiten in der Meppener Diskothek „Barbarella“ geweckt.

Bericht und Fotos: Seniorenvereinigung Meppen